Blick in die Geschichte von Wildschütz (Vlčice) Kreis Trautenau (Trutnov) im Riesengebirge (Cz)

1365

1365 erste urkundliche Erwähnung von Wildschütz aufgrund einer Stiftung des damaligen Besitzers Ulmann von Neules (1355-1373) an die Kirchen[1] von Wildschütz.
Als Pfarrkirche war also Wildschütz bereits zu jener Zeit in gewisser Hinsicht ein zumindest "Geistig-religiöses Zentrum". Man kann also durchaus davon ausgehen, dass die Entstehung von Wildschütz in früherer Zeit erfolgte. Davon zeugen einige mündliche Überlieferungen, die jedoch ohne gesicherte Belege sind und somit für die Geschichtsforschung reine Spekulation und wissenschaftlich nicht verwertbar sind, wie nachfolgende Informationen:

angeblich
 
1006

Gründung von Wildschütz laut dem Trautenauer Chronist Simon Hüttel, etwa um die gleiche Zeit wie Altstadt, durch einen Elias Witanowsky. Er soll einer der 60 Getreuen des Ritters Albrecht von Trautenberg – dem Gründer der Stadt Trautenau – gewesen sein. Von diesem Elias Witanowsky habe Wildschütz seinen Namen bekommen.

ca. 1206-1250

erfolgte die Kolonisierung durch deutsche Bauern, Handwerker und Kaufleute, die vom damaligen böhmischen König gerufen waren, um das Land urbar zu machen und seine Wirtschaft aufzubauen. Aus dieser Zeit berichtet ein Memorabilienbuch der Pfarre zu Wildschütz[2] von einem gewissen Wolf Ullstädt von Aachen, einem "Teutschen", als dem Erbauer der Burg Breckstein oder Berkstein, später als Silberstein bezeichnet [3]. All diese Hinweise sind Vermutungen, teils mündliche Überlieferungen ohne urkundliches Fundament. Lediglich die Tatsache, dass der Name "Wolf" tschechisch "Vlk" heisst und die tschechische Bezeichnung für Wildschütz Vlčice lautet, was im Deutschen "Wolfsort" bedeuten soll, käme der Sage am nähesten.

1476

1476 kauft ein Johann Zilvar oder Zilwar die Burgveste und einen Hof mit zwei Gärtnerstellen und zwei Leibeigenen in Wildschütz.

1512

Der "alte" Adam Silber, bekannt gewesen als übel und gefährlich, übernimmt die Herrschaft Wildschütz. Er gelangte auch für kurze Zeit in den Besitz des westlichen Teils der Herrschaft Trautenau als Pfand[4].

1610

Adam Silber, ein Vetter der Beatrix von Lobkowitz, dem letzten männlichen Nachkommen der Silber von Silberstein, übernimmt die Herrschaft Wildschütz. Dieser Adam Silber beteiligte sich am Böhmischen Aufstand, der 1618 mit dem zweiten Prager Fenstersturz begonnen hatte. Deswegen wurde sein Besitz konfisziert und er des Landes verwiesen[5].

1622

1622 fielen Wildschütz und seine anderen Güter als Lehen zurück an den Kaiser.

1638

1638 brachte der Reichsgraf Jakob Weiher Wildschütz in seinen Besitz (wahrscheinlich auch Pilnikau). Nach seinem Tod erbte

1664

1664 seine Tochter Cäcilia Eleonora, verh. Gräfin Bräuner, seine Besitzungen; verkaufte sie aber

1675

1675 dem Fürsten Johann Adolf zu Schwarzenberg. Die Schwarzenberg waren für die ganze Herrschaft ein überaus grosser Gewinn. Sie unterstützten die Armen mit Geld, Lebensmitteln und Holz. Sie errichteten Wohnungen und überliessen Grundstücke gegen Robotleistungen und niedrige Abgaben. Johannisbad, und die Siedlung Talseifen verdanken dem Fürstenhaus ihre Entstehung; Johannisbad seinen weitreichenden Ruf als Badeort.

1682

1682 gründete Adolf Fürst Schwarzenberg die Siedlung Silberstein mit 12 Häusern und 70 Einwohnern und gehörte zum Dorf Wildschütz. Nachdem jedoch die Herrschaft Wildschütz für die Fürsten Schwarzenberg von deren anderen Besitzungen, die überwiegend im Süden Böhmens lagen, zu weit entfernt lag, tauschte es Fürst Johann, der fünfte in der Reihe der Besitzer, Wildschütz gegen die Güter Goldenkron und Forbes aus dem Religionsfond. Kaiser Josef II. gestattete bald den neuerlichen Verkauf.

1790

1790 am 1. November erwarb Johann Franz Theer, Kaufmann aus Arnau, die Besitzung Wildschütz. Als er

1794

1794 in den Freiherrnstand erhoben wurde, legte er sich den Titel "von Silberstein" zu.

1827

1827 musste er aufgrund schlechter Wirtschaftsführung Wildschütz seinem Sohn Johann verpachten. Durch Sparsamkeit brachte dieser die Herrschaft wieder zu Wohlstand. Gegen seine Untertanen aber war er besonders in seinen letzten Lebensjahren streng und hart. Sein Sohn Eduard Viktor war der letzte Baron Silberstein auf Wildschütz. Er starb

1861

1861 mit 30 Jahren. In seinem Testament verfügte er den Verkauf von Wildschütz. Der Reinerlös sollte der Unterstützung armer Studenten an den Universitäten Prag und Wien dienen.

1844

1844 am 10. Februar wurde Wildschütz´s berühmter Sohn Wendelin Förster geboren. Er studierte nach Vollendung seiner theologischen Ausbildung am Priesterseminar in Königgrätz 1865 bis 1868 klassische Philologie in Wien, war 1868 bis 1874 Gymnasiallehrer in Brünn und dann in Wien, wo er sich Ostern 1874 in romanischer Philologie habilitierte. Im Herbst 1874 wurde er Professor in Prag und 1876 als Nachfolger für Prof. Friedrich Christian Diez, dem Begründer der romanischen Philologie, nach Bonn berufen. Prof. Dr. Förster war einer der Herausgeber altfranzösischer Texte. Von Bedeutung waren seine Untersuchungen über die Anfänge der Artussage, wodurch er klarstellte, dass nicht England und Wales, sondern die Bretagne als Quelle und Ursprung zu gelten habe[6].

1868

1868 den 27. Mai gelangte ein Hugo Wichard in den Besitz von Wildschütz. Er war Fabrikbesitzer aus Liebau in preussisch Schlesien.

1875

1875 am 23.4. entstand eine grosse Feuersbrunst: es brannte das Schloss ab, der Pfarrhof, zwei Wohngebäude und sämtliche Stallungen und Scheunen am Gutshof wurden ein Raub der Flammen.


- Fortsetzung folgt -



[1]Fachblatt "Das Riesengebirge in Wort und Bild", hrsg. vom Österreichischen Riesengebirgsverein, 1891
[2]Dokument aus der Bayer. Staatsbibliothek mit dem Titel "Silberstein". Ungekennzeichneter Aufsatz. Das hier genannte Memorabilienbuch ist bisher leider nicht auffindbar, vermutlich beim grossen Brand des Schlosses (s.dort) oder in den Wirren der Hussittenkämpfe vernichtet worden.
[3]wie vor.
[4]Aus dem Bezirksarchiv Trautenau Beschreibung von Wildschütz in einem nicht gekennzeichneten Buch S.421 ff.
[5]aus "Beschreibung des Bezirks Trautenau" von Adolf Ettelt, 1871.
[6]Aus dem Bezirksarchiv Trautenau Beschreibung von Wildschütz in einem nicht gekennzeichneten Buch Seite 419 ff.



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